Würden uns Ur-Verwandte aus vergangenen Zeiten sehen; sie würden die grosse Auseinandersetzung mit der Ernährung und Lifestyle Fragen von heute wohl kaum nachvollziehen können. „Geniess doch einfach, was Du hast und hör auf zu essen, bevor Dir übel ist, Liebes“, würden sie uns sagen.

Und trotzdem scheint, sich „richtig ernähren“ und wohlfühlen in unseren Breiten immer anspruchsvoller, immer komplexer, immer herausfordernder.

Und jetzt kommen hier, ebenfalls aus dem Bereich der Ernährungsschiene, noch weitere neunmalkluge Worte? Sie haben Recht, bitte bleiben Sie kritisch und erlauben Sie mir womöglich dennoch, etwas zu erwähnen.

Sie ticken richtig. Nur darum haben sie das problem.

Ihre Herausforderung mit dem Essen ist nicht einfach nur „Ihr“ eigenes, isoliertes Problem. SIE sind nicht verrückt, zu undiszipliniert, zu viel Genussmensch, zu streng mit sich, zu verkrampft oder was auch immer Sie glauben, oder vermittelt bekommen. Auch ist nicht einfach Ihr Mindset schuld.

Das Leiden wegen dem Essen ist die Folge einer kollektiven Erkrankung. Das Problem, das Sie haben, ist nicht Ihr Problem – Es ist unser gemeinsames.

Unsere Vorfahren haben viel erarbeitet, viel geschaffen, viel ermöglicht. Nur hat uns während dieser schleichenden und schnellen Entwicklung der letzten ein oder zwei Jahrhunderte leider keiner darauf vorbereiten können, wie wir mit unseren Körper den neuen Luxus des Überangebots geniessen können. Beziehungsweise, wie nachhaltig wohltuend konsumieren gut gelingt.

Und so kämpfen womöglich auch Sie heute mit den alten und unbewussten Mustern, die Sie unnötig belasten, die Sie vielleicht sogar rational erkennen und verstehen, aber irgendwie nicht verändert kriegen.

Das ist nicht Ihre Schuld.

Lassen Sie sich vom schein nicht trüben

Weder Ihnen noch mir hilft es aus dem kollektiven Grund heraus, wenn wir uns bei Essherausforderung danach orientieren, wie es die andern machen. Auch nicht, wenn wir die nachahmen, die scheinbar kein Problem haben.

Erstens, existiert in unseren Breitengraden (noch) sehr viel mehr Schein als Sein, wenn es um gesunde Ernährung geht. Das erfahre ich auch immer wieder in Analysen: Im Innern einer Klientin fühlt es sich nicht so geschmeidig an, wies das eigene Essverhalten nach aussen transportiert wird.

Und zweitens, macht Ihnen das nur Schuld- und Schamgefühle, wenn Sie sich mit vermeintlich „besserem Verhalten“ vergleichen.

Sie sind ihre sicherste führung

Essvertrauen soll Ihre Auseinandersetzung mit der Ernährung nicht noch komplizierter, exklusiver oder modern konkurrenzfähig machen. Da bin ich raus, das ist nicht meine Welt.

Mit Essvertrauen und dieser Seite hier will ich mein Weniges tun, was ich kann, um Sie zu erinnern und zu ermutigen, dass Sie sich an Ihnen selbst und Ihrem Körper orientieren. – Nein, Sie müssen nicht dankbar jeden Geburtstagskuchen entgegennehmen, Sie müssen nicht dann Hunger spüren, wenn es Ihre Begleitung hat. Sie müssen nicht fasten, weil es alle tun. Sie müssen gar nichts. Ausser, wenn Sie sich unterstützen und aus der Kollektivkrankheit befreien wollen, lernen, im Reinen mit sich selber zu leben. Und für diesen Weg können nur Ihre eigenen, individuell gefärbten Richtlinien gelten.

Jeder muss sein System selber Hacken. Vielleicht Mal mit Beratung und Begleitung. Im Training. Aber mit ganz individuell orientierten, menschlich fairen und ehrlichen Rezepten.

Prof. Dr. Gregor Hasler, Darm-Hirn Forscher

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Perspektive ein bisschen den Druck genommen haben zu können, den Sie sich immer wieder auferlegen oder im kollektiv wahrnehmen. So manch andere mit ernährungstechnischen Schwierigkeiten werden Ihnen dankbar sein, wenn Sie den kollektiven Leidenszirkus als Erste verlassen. Seien Sie sicher: Andere wollten auch gehen, getrauen sich nur (noch) nicht, dies als erste und vermeintlich einzige zu tun.

In dem Sinne: Viel Freude beim Nähren Ihres eigenen Mutes, sich mehr an den Empfindungen Ihres Körpers und Ihren persönlichen Visionen und Werten zu orientieren.

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